Reisegewerbe

Kurzfassung: Ich gehe auf eigene Initiative auf meine Kund*innen zu. Ansonsten nehme ich nur auf Märkten Ihre Aufträge für Maßanfertigungen an. Unter Termine können Sie nachsehen, wo Sie mich treffen können.

Ich biete meine Leistungen als Tischlerin im Reisegewerbe an. Sie haben noch nie vom Reisegewerbe gehört? Das hatte ich bis vor ein paar Jahren auch nicht, obwohl es wirklich keine neue Erfindung ist. Den entsprechenden Paragraphen in der Gewerbeordnung gibt es seit 1869/71.

In der Gewerbeordnung wird zwischen dem stehenden Gewerbe und dem Reisegewerbe unterschieden. Wer ein stehendes Gewerbe betreibt, wartet in seiner Niederlassung (besser bekannt als: Laden, Geschäft, Werkstatt) auf Kundschaft und nimmt Bestellungen auf Waren oder Leistungen an. Wer ein Reisegewerbe betreibt, bietet seine Waren oder Leistungen außerhalb der eigenen Niederlassung (oder ohne eine solche zu haben) an. Das bedeutet: Der Reisegewerbetreibende kommt ohne vorhergehende Bestellung zum Kunden nach Hause und bietet an, was er anzubieten hat. Er kann dann sein Produkt sofort vor Ort verkaufen oder Bestellungen annehmen. Er könnte dies auch auf einem Markt tun, beispielweise einem Wochen-, Jahr- oder Weihnachtsmarkt.

Beide Arten des Gewerbes können von den gleichen Berufsgruppen ausgeübt werden, verlangen aber etwas andere Geschäftsgewohnheiten. Es gilt: Man darf nur das Gewerbe ausüben, was man auch angemeldet hat. Eine Bäckerin im stehenden Gewerbe verkauft ihre Brezeln im eigenen Laden. Sie darf dies auch nur im eigenen Laden tun, sie darf sich bei schönem Wetter keinen Bauchladen umschnallen und damit durch die Fußgängerzone spazieren. Ein Bäcker im Reisegewerbe darf das. Er wiederum darf keinen Laden aufmachen, in dem er seine Brezeln verkauft.

In meinem Fall, Tischlerin im Reisegewerbe, heißt das: Die Auftragsanbahnung muss auf meine Initiative und außerhalb meiner Niederlassung stattfinden. Zu einem ausführlichen Beratungs- und Informationsgespräch lade ich mich gerne ein. Wenn Sie zufrieden mit meiner Arbeit sind, freue ich mich sehr über eine Empfehlung. Ich bitte Sie jedoch, nicht meine Kontaktdaten weiterzugeben, sondern stattdessen mir die Kontaktdaten von Interessenten zu übermitteln. So bekomme ich die Gelegenheit, beim potentiellen Kunden vor Ort meine Leistungen anzubieten.

Kurzfassung: Ich gehe auf eigene Initiative auf meine Kund*innen zu. Ansonsten nehme ich nur auf Märkten Ihre Aufträge für Maßanfertigungen an. Unter Termine können Sie nachsehen, wo Sie mich treffen können.